Unterwegs
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Bye Mzungu! Bye Uganda!

Ja, Innsbruck ist super. Tirol auch. Die Landschaft in Österreich sowieso. Und auf dem europäischen Kontinent gibt es genug Kultur und Vielfalt für hunderte Urlausbwochen. Und trotzdem war es in diesem Sommer Zeit für mich, ein gutes Stück weiter weg zu reisen.

Auf nach Uganda!

„The Pearl of Africa“ – schon am Flughafen verspricht mir ein Werbe-Banner viel. Viel  Eindrucksvolles, viel Außergewöhnliches, viel Uganda. Um 4 Uhr morgens kann mein vom Langstreckenflug gebeuteltes Hirn das noch nicht ganz verarbeiten. Die Erwartungen sind dennoch groß und beim ersten Schritt auf afrikanischen Boden ist klar: Sie werden erfüllt.

Ein anderer Kontinent, ein anderer Planet

Das Wort „Abenteuer“ wird bei Reisen gerne überstrapaziert. Für die Reise zu unserem ersten Ziel – Mityana (eine kleine Stadt, etwa 80 km westlich von Kampala) – ist es jedoch ein bloßer Hilfsausdruck. Mit „Taxis“ kommt man in Uganda überall hin. Doch nur keine falschen Luxusvorstellungen. Ich spreche hier von veralteten 11-Sitzer-Bussen, die klappern, quietschen. Nur so viel: Den ersten Beinahe-Unfall hatten wir zehn Minuten nach der Abfahrt. Gefühlte 3mm trennten mich vom zerbeulten Kofferraum des Autos vor uns. Im Nachhinein war das sogar gut. So konnte ich mich gleich an die wenigen und undurchschaubaren Verkehrsregeln gewöhnen. Man hupt, überholt, fährt – das alles mit zwei Hühnern am Beifahrersitz und über 100 km/h zwischen Schlagloch und Gegenverkehr.  Ihr seht schon, das Wort „Abenteuer“ ist in den nächsten zwei Wochen durchaus gerechtfertigt. „Todesangst“ hätte bei manchen Autofahrten ebenso seine Berechtigung gefunden.

 

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Mityana, Zuhause auf Zeit

In einer kleinen Missionsstation in Mityana sorgen seit mehreren Jahren zwei geistliche Schwestern sowie Markus und Maria, ein befreundetes Ehepaar, für Kinder und Jugendliche. Und genau dort war für die nächsten zwei Wochen unser Zuhause. Ein Zuhause im Herzen Ostafrikas, ohne Tourismus, ohne Luxus. Mehr Authentizität ist kaum möglich. In der Station leben außer uns das ganze Jahr über Jugendliche und junge Erwachsene, denen mit der Unterstützung des Vereins und des Ordens eine Schulbildung beziehungsweise ein Studium ermöglicht wird. In Uganda ist Bildung ein Ticket in ein besseres Leben. Denn die „Perle Afrikas“ hat mit einer der höchsten Aids-Raten weltweit, einem niedrigen Lohnniveau und einem nicht-vorhandenen staatlichen Gesundheitssystem zu kämpfen. Durchschnittsalter 15 Jahre (damit die jüngste Bevölkerung der Welt), Lebenserwartung unter 50 Jahren. Ein krasser Gegensatz zum behüteten Sozialstaat Österreich. Wie krass, sollte mir in den darauffolgenden Tagen noch bewusst werden.

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Zwischen Hoffnung und Verzweiflung, zwischen Armut und Zufriedenheit

Beinahe jeden Tag prasseln 1000 Eindrücke auf uns nieder. Beim Besuch in den Dörfern und Siedlungen rund um Mityana wird schnell klar: „Anders“ ist eine Untertreibung. Gemeinsam mit Geoffrey, Ugander, angehender Arzt, erkunden wir sein Heimatdorf. Als wir von der Ladefläche unsere Pick-Ups hüpfen, ist jede romantische Vorstellung von einem Leben „Jenseits von Afrika“ wie weggewischt. Die Menschen sind glücklcih, herzlich und neugierig bei so viel „weißem“ Besuch. Eine Gruppe von knapp 10 Mzungus ist in den meisten Bergdörfern eine Rarität. Bei den meisten geht es tagtäglich um’s Überleben. Trotzdem bekommen wir gleich bei unserer Ankunft massenhaft frisch geerntete Erdnüsse geschenkt. Man lebt von der Ernte, von Tauschgeschäften, das nötigste ist da, mehr aber auch nicht. Für Malaria-Medikamente und oft auch für Schulbildung fehlt das Geld. Genau deswegen hat Geoffrey nach seinem Medizinstudium große Pläne. Ein Arzt „auf Rädern“ soll grundlegende medizinische Versorgung auch entlegenen Dörfern möglich machen. Ich höre gespannt zu und hoffe – hoffe, dass sein Traum funktioniert, sich das Leben dort verbessert.

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Ein Verwandtschaftstreffen der anderen Art

Am 6. Tag in Uganda ging es weg vom Dorf, hinein in den Regenwald: Safari! Mit einem Gelände-Wagen brachte uns Driver Dave zu den großen und kleinen Tieren Ostafrikas. Beim Weg zur Flusssafari stellten sich mehrere Elfenanten zur Schau. Die majestätischen, grauen Riesen strahlen Anmut und Faszination gleichzeitig aus. Eine Elefanten-Dame ließ uns sogar ganz in Ruhe ihr aufgedrehtes Baby beobachten. Es war Liebe auf den ersten Blick! Das absolute Highlight war jedoch die Gorilla-Safari. Im Regenwald im Bwindi Nationalpark wanderten wir zu einer Gorilla-Familie. Nach 1,5h Stunden Dschungel-Dickicht war es dann soweit. Knapp 20 Menschenaffen saßen nur 2-3 Meter von uns entfernt. Die Babys klettern, die Mütter entspannen im Schatten des Tropenholzes. Und der Silverback? Behält den Überblick. Dieses Erlebnis lässt sich kaum in Wort fassen, deshalb hier eines meiner persönlichen Lieblingsandenken an diesen Urlaub:

 

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96 Zöpfe, 96 Eindrücke

Kinder, die sich über Süßigkeiten freuen als wären es Diamanten. Schulklassen, mit 60 Kindern, in denen Ruhe herrscht. Tropenfrüchte, die vor dem Schlafzimmerfenster wachsen. Hoffnung, die ihresgleichen sucht. Kreativität, die zum Überleben benötigt wird. Meine ersten zwei Wochen als Millionär (siehe Wechselkurs € zu Uganda-Schilling). 96 Zöpfe. Ich könnte noch 10 Seiten schreiben, über Erlebnisse, Schock-Momente, Sonnenaufgänge im Nationalpark, über Kurioses, Tragisches, Lustiges aus Uganda, der Perle Afrikas.

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Unsere Host-Mama Maria hat in einem Satz am Rande zusammengefasst, wie unmöglich es ist, all diese Eindrücke und Erlebnisse auch nur ansatzweise widerzugeben.

„Wenn ihr heimkommt, könnt ihr alles erzählen, die ganzen Fotos herzeigen. Aber eines wird nicht gelingen: Diese Eindrücke wirklich zu vermitteln“.

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5 Kommentare

  1. rosanna sagt

    Hallo Monica,

    toller Bericht und sehr schöne Fotos! Ich bin gerade selbst aus Uganda zurückgekommen (war ebenfalls in der Nähe von Mityana) und dein Blog hat schöne Erinnerungen geweckt :)

    alles liebe, rosanna

    • Monica Nadegger sagt

      Hi Rosanna!

      Vielen Dank! Die ganzen Geschichten und Fotos sind einfach nur ein Bruchteil des Erlebten! Aber schön, dass du mit dem Blog ein paar Minuten in Urlaubserinnerungen schwelgen konntest.

      ganz liebe Grüße,
      Monica

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