Gedankengut
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Mein Wort zum Montag oder warum Innsbruck nicht zu Berlin werden soll

Mein Wort heute zum Montag (ein Mittwoch in einem Montag-Kostüm):

Warum Innsbruck nicht zu Berlin werden soll oder auch jammern auf hohem Niveau .
Zurzeit kursiert ein Beitrag des Alpenfeuillton mit der Überschrift: 11 Gründe die Innsbruck zu Berlin macht. Ich schaudere und mir stehen die Haare am Rücken die ich nicht habe zu Berg. Klar gibt es mittlerweile viele Anzeichen, dass so ganz langsam der hippe Großstadtflair sich in Innsbruck niederlässt. So sehr, dass es einfach jeden auffällt und alle davon sprechen. Man kann sich dem ja quasi fast nicht entziehen, außer man flüchtet tief tief in den Wald auf die Berge.

Und ich als geborene Berlinerin die jetzt in Innsbruck wohnt möchte nur eines nicht: dass Innsbruck zu Berlin wird! Da zieht man mal aus einer Stadt die man nicht so gerne mag in eine die einem gefällt und die soll sich dann in eine hässliche Unke verwandeln? Klar, das wird in dem Ausmaß auch zum Glück nie passieren. Aber wenn ich Bock auf Berghain und hippe Läden hab, fahre ich auch dorthin und bringe es nicht in das wunderschöne Innsbruck. Denn eigentlich profitiert man nur in Maßen davon, wenn es so viele coole Schuppen gibt. Es gibt nicht umsonst das Wort ‚FOMO‘ (fear of missing out) das so viel bedeutet, die Angst zu haben etwas zu verpassen. Und genau dieses Gefühl hatte ich in Berlin und neulich auch eben in London (Großstädte eben).

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Überall ist geiler Scheiß und man weiß einfach nicht wo man hinsoll. Was das an Zeit frisst! Und wenn man sich nach langer Sucherei endlich mal entschieden hat, weiß man einfach ganz genau: woanders ist es jetzt vielleicht geiler. Geilerer Kaffe, der Kuchen woanders vielleicht noch mehr bio, der Kellner vielleicht irgendwo hotter. Hier in Innsbruck weiß ich was ich hab. Ich weiß die zwei leckersten Burger-Restaurants und muss mich nur zwischen Rind und Wild entscheiden. Ich weiß wo ich leckeren Kuchen essen kann und wo es leckeren Kaffe gibt.

MG_1560-1500x1000 MG_2395-1500x1000Das traurige ist ja in vielen Großstädten: es bleibt mit dem FOMO nicht nur bei der Kaffeauswahl. Ich habe die Pärchen die ich kannte an einer Hand abzählen können. Sie waren rar und so selten wie der Sumatra Tiger auf der Nordkette. Denn viele haben sich bei der Partnerwahl gedacht: irgendwo gibt es einen besseren und solange halte ich alles offen. Gefühle sind out und haben nur Freaks (dass niemand auf die Idee kommt, dass man selbst auch austauschbar ist, ist wohl niemanden in den Sinn gekommen. Runter vom hohen Ross ihr Pappnasen!).

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Und überhaupt verstehe ich nicht warum alle immer so verwundert gucken, wenn ich sage ich bin aus Berlin weggezogen. Aus Berlin. Meine beste Freundin die auch aus Berlin kommt und schon ein Zeitl in Wien lebt, muss auch immer lachen, wenn sie gefragt wird warum sie Berlin verlassen hat. Lachen über die Ignoranz einiger Leute. Es tut mir leid, aber Berlin ist nicht die Welt. Und lange nicht so geil wie alle denken. Natürlich gibt es einige nette Dinge, auch wenn mir gerade keine einfallen mögen (doch, meine Mama). Und für eine kurze Zeit auf jeden Fall interessant aber vieles ist einfach nicht so schön. Wer den Geruch von Urin in U-Bahnhöfen mag und denkt, das Leben ist nur Party, Alkohol und Flohmarkt- bitteschön. Letztendlich ist es aber Geschmackssache. Mir schmeckt es eben nicht.

Und deswegen wohne ich ja auch in Innsbruck mit meinem festen Freund und mit dem vielleicht leckersten Kaffe der Stadt. Und wenn das hippe Berlin hier so langsam seine Spuren hinterlässt, dann baue ich mir ein U-Boot und verweile in der Tiefsee.

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Alle Fotos und mehr Fotos aus Berlin: Fabian Irsara

8 Kommentare

  1. Anna-Maria sagt

    Na da bin ich aber gespannt, fahre
    morgen für ein paar Tage nach Innsbruck,
    hoffe die Stadt hat sich in den letzten 6 Monaten
    nicht allzu sehr verändert aber was weiß ich schon,
    Kärnten is lei oans, zu weit weg ;)
    Liebe Grüße und mach weiter so der Blog ist spitze :)

    • Niña Lerch sagt

      liebe anna, dankeschön :-) lass es mich findest wie du es fandest und was dir besonders stark in’s auge gefallen ist- würde mich freuen. viel spaß derweil :-)

      • Anna-Maria sagt

        Danke, die Zeit lief mir mal wieder durch die Finger, ist halt doch was anderes wenn man privat raus fährt, anstatt aus beruflichen Gründen.
        Innsbruck hat an seinem Charme nicht verloren, verliebe mich immer wieder auf’s neue, die Vielfältigkeit der Menschen und der Kontrast aus den Modernen Läden mit den alten Gebäuden, im April schau ich nochmal genau hin :)
        Dann heißt es Klettern, Wandern, Shoppen bis ich umfalle oder zumindest mein Kontostand ;)

  2. Johanna sagt

    Ich brauch unbedingt einen guten Tipp wo es in Innsbruck den besten Kaffee, bzw noch eher das netteste,gemütlichste Cafe‘ gibt.

    Ps: Was für ein Cafe‘ ist es auf deinem Bild?
    Würd mich über Vorschläge freuen.
    LG Johanna

  3. Pingback: Warum Innsbruck Inns'bruck bleibt (und nicht Berlin wird) | The Cultshare

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